Meinung und Rezension
Kanarische Geschichte - spannend und
unterhaltsam erzählt
(www.ecanarias.com, 2002)
"Der König von Taoro" erzählt die spannende
Geschichte von der Eroberung Teneriffas. Die Protagonisten sind Mencey
Bencomo, Guanchen-Fürst von La Orotava, und Alonso Fernández de Lugo,
spanischer Seefahrer und Konquistador. Sie ziehen den Leser in den Bann
ihrer Zeitgeschichte. Der König von Taoro" ist kurzweilig und unterhaltsam,
ohne Frage ein "Teneriffa-Bestseller". Horst Uden schrieb den historischen
Roman vor sechzig Jahren, vor kurzem erschien die vierte Auflage.
Im Mai 1494 landet De Lugo auf Teneriffa. Er
stößt ein hölzernes, "heiliges" Kreuz in die Erde und gründet hier die Stadt
Santa Cruz de Tenerife. Die Kreuzfeiern am 3. Mai, die noch heute auf den
Kanaren gefeiert werden, erinnern an dieses Ereignis (Titelbild). Er zieht
dann über La Laguna (damals gab es hier einen Süßwassersee), Los Rodeos
("die Umwege"), La Matanza ("das Gemetzel") und La Victoria ("der Sieg") bis
nach La Orotava vor – dem Sitz von Mencey Bencomo, König von Taoro.
Die Guanchen, Ureinwohner Teneriffas, leisten
erbittert Widerstand. Mit ihren traditionellen Waffen – geschleuderte
Steine, Lanzen und aus Obsidian geschliffene Messer – wehren sie sich mutig,
doch sie können gegen die schweren Kanonen und Kavallerie des kastilischen
Heeres nicht gewinnen. Sie flüchten in die Höhen des Tigaiga (der östliche
Rand des Orotava-Tals) und ergeben sich schließlich im Herbst 1496 vor der
Belagerung bei Los Realejos ("die Heerlager").
Außer dem werden viele Geschichten und Legenden
von den Kanarischen Inseln erzählt. Mythen und Sagen über die "Glücklichen
Inseln", woher die Guanchen kommen, wie sie lebten und dachten, wie sie
feierten – und wie sie liebten:
Textauszug 1
Eine zentrale Rolle spielen die Frauen in dem
Roman. Dácil und Guacimara sind zwei Prinzessinnen. Guacimara folgt ihrem
Prinzen Ruimán in die Einsiedelei, nachdem er wegen Übermut – er führt eine
fatale, eigenmächtige Attacke gegen den Feind an – auf den Thron verzichten
und seine Familie verlassen muss. Dácil dagegen – die Tochter des Mencey
Bencomo – liebt unbekannter- und wundersamerweise den spanischen
Reiterführer Gonzalo de Castillo. Sie wird am Ende zur Symbolfigur der sich
vermischenden Kulturen.
Textauszug 2
Lassen Sie sich verführen zu einer Zeitreise, in
die Welt der Guanchen und der spanischen Konquistadoren. Sie werden
Teneriffa danach mit anderen Augen sehen.
"Der König von Taoro" ist im Buchhandel auf
Teneriffa für 14,50 Euro erhältlich. Direkt bestellen: Zech Verlag,
Carretera Vieja, 40, E-38390 Santa Úrsula, Tel.: +34-922-30 25 96, E-Mail:
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In Añaza (heute Santa Cruz de Tenerife) landeten
im Jahr 1494 die spanischen Seefahrer, um die Insel Teneriffa den
Katholischen Königen zu unterwerfen. Sie wollten nach Taoro vordringen, dem
Sitz des mächtigsten Guanchen-Fürsten, Mencey Bencomo. In La Matanza und La
Victoria fanden entscheidende Schlachten statt. Die Ortsnamen bedeuten
"Gemetzel" bzw. "Sieg" und erinnern noch heute an diese Ereignisse. – Im
Herbst 1496 flüchteten sich die Guanchen in die Tigaiga-Höhen am Rande des
Orotava-Tals (durch Punkte markiert) und ergaben sich schließlich angesichts
der Belagerung bei Los Realejos ("die Heerlager").
Auszug 1:
„So unversöhnlich die Guanchen dem
widerstehenden Feinde entgegentraten, so edel waren sie gegen den
unterlegenen. Gefangene wurden von ihren Wunden geheilt, ausgetauscht und
oft noch mit Geschenken entlassen.
Wilde Tiere gab es auf ihrer glücklichen Insel
nicht, nicht einmal die kleinste Giftschlange. Der einzige, den sie
fürchteten, war Guayote, der Dämon, der im feuerspeienden Echeyde wohnte
(Echeyde, Hölle, oder Teide: der Pico de Tenerife).
Wenn er zürnte, schleuderte er glühende Felsen
aus dem Bauche des Riesen, ein breiter Feuerstrom ergoß sich aus seinem
weitgeöffneten Maul. Alles riß er nieder, was sich ihm in den Weg stellte.
Sengend fuhr er über die fruchtbaren Felder. Aus seinen Nüstern blies er
dunkle, giftige Schwaden in den stahlblauen Tigot, den Himmel, die
strahlende Magec, die Sonne, verdunkelte sich, das Meer schäumte auf und
donnerte über die Klippen bis tief in den Wald hinein, knickte Bäume wie
dürre Äste und zerspellte sie, zurückflutend, an den Felsen.
Dann flohen die Guanchen in ihre Höhlen, hockten
ängstlich zusammengekauert zwischen den Schafen, Ziegen und Hunden, die sich
eng aneinanderdrängten, horchten erschauernd auf das höllische Grauen und
flehten zu Acoran, zu Gott, um Hilfe und Rettung.
Ihr Glaube war kindlich und einfach wie sie
selbst: Gott schuf einige Menschen und gab ihnen Herden, Land und Wasser.
Dann schuf er mehr, gab ihnen nichts und sagte: „Dient den anderen, und sie
werden euch geben!“ So gehörte alles Land dem Mencey; er verteilte es auf
Lebenszeit, dann fiel es an ihn zurück.
Ihre Hauptnahrung bestand aus Gofio, geröstetem
und dann gemahlenem Getreide, das sie mit Milch oder Wasser mischten, aus
Pilzen, Feigen, saftigen Früchten des Mocan und des Erdbeerbaums, aus
Brombeeren, Datteln, Fichtenzapfen und Palmenbirnen. Allem aber zogen sie
Zickelfleisch und Wildkaninchen vor.“
Auszug 2:
„Prinzessin Guacimara lag schlaflos in der
geräumigen Höhle auf weichem Lager und träumte vor sich hin. Ein Kienspan
warf sein flackerndes Licht auf die zackigen Wölbungen der Decke, und im
Halbdunkel tanzten zitternde Schatten über die felsigen Wände. Leise tönten
vom Eingang her die flüsternden Stimmen der Dienerinnen . . .
Kurz vor Dämmerung waren Boten aus Taoro
gekommen, die ihrem Vater Beneharo das Eintreffen des Prinzen Ruimán und
seiner Schwester Dácil meldeten. Er hatte also Wort gehalten, damals beim
letzten Beñesmen, als er ihr versprach, nach Anaga zu kornmen. Morgen gegen
Mittag würde er hier sein.
Jähes Glücksgefühl machte sie wonnig erschauern.
„Blume von Anaga“ hatte er sie genannt mit seiner schönen, weichen und doch
so männlichen Stimme, „Blume von Anaga . . .“
Sie liebte ihn, diesen jungen, ritterlichen
Prinzen mit den träumerischen Augen und der adligen Gesinnung. Schon als
Kinder hatten sie zusammen am Strande von Taoro gespielt, waren von Klippe
zu Klippe gesprungen, hatten kleine, weiße Muscheln gesucht und flache
Steine übers Meer tanzen lassen. Wenn sie müde war, trug er sie auf seinen
Armen hinauf zum Tagoror, legte sie behutsam unter den schattigen
Lorbeerbäumen nieder und bewachte ihren Schlummer.
Ja, sie liebte ihn! Wenn einer ebenbürtig war an
Sinn und Geschlecht, dann er, NUR er. Und sie? Sie würde einst Königin von
Taoro, Königin von Tehinerfe sein, sie, die sie Guacimara, die Mannhafte,
nannten."
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