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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Meinung und Rezension

Tanausu: Der in der Caldera de Taburiente tanzt

Buchbesprechung von Petra Vock

Ja, so könnte es gewesen sein. So oder ganz anders. Aber auch wenn die historische Wahrheit für immer rätselhaft bleiben wird, wahr ist diese Geschichte auf jeden Fall. Weil sie vom Tod erzählt und vom Leben, von der Liebe, von Verrat und von der Spiritualität – die gerade jenen völlig fehlt, die gekommen sind, um die anderen zu missionieren. Es geht um La Palma, und wir schreiben das Jahr 1493. Harald Braems Roman "Tanausu - König der Guanchen" bringt dem Leser ungemein spannend und farbenreich die Kultur der Ureinwohner der "Isla Bonita" näher (die damals noch Benahoare hieß) und die Unkultur ihrer spanischen Eroberer, die gekommen sind, um mit Blut zu taufen.

Mit Tanausu ist der Kulturforscher und Schriftsteller Braem einer kanarischen Legende auf der Spur, einer Symbolfigur für Stolz und Freiheitswillen: Tanausu, das ist der König des Reiches Aceró im riesigen Vulkankrater der Caldera de Taburiente. Unsterblichkeit erlang er dadurch, dass er den spanischen Eroberern am längsten Widerstand leistet und sich auch nach seiner Gefangennahme die Freiheit nicht rauben lässt. Wie das geht und wie es den Spaniern trotz der militärischen Uneinnehmbarkeit der Caldera de Taburiente gelang, Tanausu zu besiegen und damit La Palma zu erobern, das liest man am besten selbst nach.

Braem erzählt eine Geschichte und bringt gleichzeitig Geschichte näher. Wer schon längst wissen wollte, was eine Harimaguada war, oder es sich noch nie merken konnte – hier erfährt er es und vergisst es nicht mehr. Wie kam "Los Llanos de Aridane" zu seinem Namen, und worin besteht das Seltsame daran? Der Leser, durch erzählerisches Geschick in den Bann gezogen, lernt den Hintergrund von Namen und Begriffen, die heute noch jedem Kanarenreisenden auf Schritt und Tritt begegnen ("Lady Harimaguada" - so heißt beispielsweise der "Oscar", der beim Filmfestival in Las Palmas alljährlich vergeben wird).

Applaus gebührt diesem Text dafür, dass der Erzähler - trotz eindeutiger Parteinahme für die "Wilden" - nicht vordergründig moralisiert und keine peinliche Kampf- und Heldenideologie vertritt wie etwa Horst Uden mit seinem wesentlich älteren Roman von der Eroberung Teneriffas ("Der König von Taoro"), mit dem man "Tanausu" trotz des ähnlichen Themas zu Unrecht vergleichen würde. Auch die Schwarzweißmalerei hält sich in Grenzen: Neben einem Pater, der La Palma dadurch "hispanisiert", dass er den "spanischen Schuh" und die Inquisition hinbringt, gibt es auch noch einen anderen, der tatsächlich in der Absicht gekommen ist, die Liebe zu predigen, und der die Ureinwohner respektiert. Durch seine Augen und die des jungen spanischen Schreibers Domingo wird dem Leser die Brutalität und der Stumpfsinn der Konquistadoren offenbart.

Und auch in den Reihen der Guanchen gibt es Verräter. Ungeheuer eindringlich ist die Szene beschrieben, als Gazmira der Folter der Inquisition unterzogen wird. Jene Gazmira, die als junges Guanchenmädchen von den Spaniern gefangen und verschleppt wird und später als zerstörte Greisin zurückkehrt und zur Verräterin wird - dadurch Täterin und unendlich bedauernswertes Opfer zugleich.

Zwar muss nicht jeder, der aus verlogenen Motiven in einem verbrecherischen Krieg angegriffen wird, dadurch automatisch eine moralisch überlegene Lichtgestalt sein (das lehrt einen das Zeitgeschehen). Aber in diesem Roman ist die von fern an Kevin Costners Wolfstänze erinnernde Sympathie mit den naturverbundenen Ureinwohnern nachvollziehbar und überzeugend. Dass diese Menschen, die der Natur noch viel mehr ausgeliefert waren als ihre "zivilisierten" Artgenossen in Europa, sich eine tiefere Spiritualität und mehr Seelenadel bewahrt hatten als die sich überlegen wähnenden Eroberer und dass den Guanchen gerade dieser Mangel an Verlogenheit zum Verhängnis wurde, das klingt überaus plausibel.

Überraschend ist das Ende des Textes: "Vacaguare!" (ich will sterben), heißt es da an einer Stelle, und kurz darauf von jemand anderem: "Er wird überleben." Wer oder was stirbt und überlebt, lieber Leser, das sollten Sie selbst herausfinden. Es lohnt sich! 

(Info Canarias Nr. 663, Dezember 2003)

 

 

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