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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Meinung und Rezension

Die spanische Eroberung Teneriffas
Der König von Taoro: Ein historischer Roman von Horst Uden

Buchbesprechung von Berthold Volberg
(www.caiman.de, Juni 2004)

Horst Udens historischer Roman behandelt ein sowohl in der wissenschaftlichen Fachliteratur als auch im Bereich der Belletristik erstaunlich vernachlässigtes Thema: die Eroberung Teneriffas durch die Spanier. Während die kleineren Kanarischen Inseln (Gomera, Hierro, La Palma) quasi im Handstreich von den Konquistadoren besetzt wurden, gab es in Gran Canaria, vor allem aber in Teneriffa, der größten Insel des Archipels, einen Eroberungskrieg, der sich über ein halbes Jahrzehnt hinzog.

Alonso Fernández de Lugo, der zuvor schon La Palma erobert hatte und in Agaete (Gran Canaria) residierte, nahm Teneriffa nach mehreren Schlachten gegen die kanarischen Ureinwohner, die Guanchen, für die spanische Krone in Besitz. Die Guanchen waren zwar von stattlicher Größe und mit herkulischen Körperkräften ausgestattet, konnten aber mit ihren Keulen und Lanzen wenig gegen die überlegenen spanischen Eisenschwerter, Feuerwaffen und Kanonen ausrichten.

Horst Uden konzentriert sich bei seiner Darstellung auf die entscheidenden drei Jahre 1493 - 1496, in denen die drei wichtigsten Schlachten stattfanden: die Niederlage der Spanier in der Schlucht von Acentejo, die Schlacht von La Laguna (erster Sieg der Spanier) und der entscheidende Sieg an dem Ort, den die Spanier später La Victoria nannten.

Gleich zu Beginn der Lektüre des "Königs von Taoro" wird der heutige Leser zuerst mehr oder weniger irritiert sein, denn der Stil des Autors Horst Uden ist für die MTV-Generation gewöhnungsbedürftig.

In der Wortwahl präsentiert sich dieser historische Roman (erstmals veröffentlicht 1941) eher "altmodisch", nicht frei von Pathos und mit einer ungewohnt poetischen Prosa. Das mag für manche Leser zu Beginn des 21. Jahrhunderts den Zugang zu diesem Buch erschweren. Mir persönlich gefällt dieser poetische, oft in Metaphern schwelgende Stil - zumal Uden sich damit auch an den feierlichen Sprachstil der Epoche annähert, über die er schreibt. Er eröffnet den Roman mit den Worten: "Strahlend enttauchte die Sonne dem blutroten Weltmeer und zerteilte die flüchtigen Morgennebel..."

So beginnt die Beschreibung des (zumindest damals noch) paradiesischen Orotava-Tals, vor dem bereits Humboldt ergriffen stand. Indem er metaphorisch die Schönheit der Landschaft zelebriert, möchte der Autor wohl auch die Naturverbundenheit der Ureinwohner betonen. Sein Stil ist wohl Geschmackssache, aber eines kann niemand Horst Uden absprechen: eine sorgfältige Recherche der (spärlichen) historischen Quellentexte. Sein Roman orientiert sich sehr genau an den historischen Daten und Fakten. Und für alle, die etwas über die Geschichte ihres Urlaubsziels Teneriffa erfahren wollen und denen Geschichtsbücher zu langweilig sind, ist diese spannende Darstellung ein idealer Einstieg.

Obwohl zum größten Teil aus der Sicht der besiegten Guanchen und mit viel Sympathie für die kanarischen Ureinwohner geschrieben, ist die Schilderung von Uden weniger einseitig als anfangs befürchtet. Er begeht nicht den Fehler, die spanischen Eroberer pauschal anzuprangern. Denn im Verlauf der Geschichte beschreibt er auch offen die negativen Seiten der Guanchenherrschaft, insbesondere die Uneinigkeit ihrer in kleine Fürstentümer zersplitterten Gesellschaft, die auch die Keimzelle ihres Untergangs war. Denn wie in Mexiko (Tlaxcalteken) und Peru konnten sich die Spanier auch auf Teneriffa mit Gegnern des mächtigsten Guanchenherrschers Mencey Bencomo (des "Königs von Taoro") verbünden - was entscheidend zu ihrem Sieg beitrug. Und wie in Mexiko und Peru starben die meisten Einheimischen Teneriffas nicht durch den Eroberungskrieg, sondern durch Krankheiten: in diesem Fall hauptsächlich durch die 1495 ausbrechende Pest, die Horst Uden folgerichtig in die Handlung einbaut.

Alonso Fernández de Lugo, Anführer der spanischen Konquistadoren und erster Gouverneur von Teneriffa, war wohl weniger machtbesessen und habgierig als Pizarro oder Cortés. Uden beschreibt ihn jedenfalls mit Anflügen von fairer Ritterlichkeit, echtem Christianisierungseifer und moralischen Skrupeln. Gar so etwas wie Sympathie für die Spanier flackert auf, wenn der Autor die "Unzertrennlichen Zwölf" beschreibt, zumindest werden die allzu menschlichen Schwächen (Trunksucht, Völlerei) dieser engsten Vertrauten des andalusischen Konquistadors mit augenzwinkerndem Verständnis und viel Humor dargestellt.

Uden vergisst nicht, die wichtige Rolle der Religion gebührend zu berücksichtigen: er beschreibt sowohl das alte Guanchen-Heiligtum – die Höhle von Taganana mit ihrem "Orakel" – als auch das neue katholische Sakralzentrum: die Mariengrotte von Güímar, aus dem später der heutige Wallfahrtsort La Candelaria wurde.

Abgesehen von der manchmal leicht verwirrenden Chronologie der Erzählung – man beachte die Rückblende ("Intermezzo"), die vor der Schlacht von La Laguna noch einmal die vorherige Eroberung Gran Canarias zusammenfasst, ist auch der Spannungsbogen entlang der historischen Eckdaten gut gestaltet.

Insgesamt ist der außergewöhnliche Roman von Horst Uden ein Muss für jeden wirklich interessierten Teneriffa-Besucher, der mehr will als 14 Tage Strand und Wellen. Historisch fundiert und spannend werden die entscheidenden Jahre der spanischen Eroberung und auch zum Schluss noch kurz deren Folgen dargestellt. Kurzfristig ging es zumindest den adligen Guanchen unmittelbar nach 1496 gar nicht so schlecht: die ehemaligen Stammesfürsten erhielten Grundbesitz zugeteilt und es gab viele Eheschließungen zwischen Spaniern und Guanchen. Aber spätestens in der folgenden Generation wurde vielfach das Eigentum der Guanchen unter allerlei Vorwänden von der Inquisition eingezogen, viele Guanchen wurden als "Ketzer" verurteilt oder starben an der Syphilis. Einige erzielten aufgrund ihrer körperlichen Konstitution Höchstpreise auf dem Sklavenmarkt von Sevilla oder wurden – wie Mencey Bencomo – als Jahrmarkt-Attraktion durch Europa herumgereicht, wo diese blonden, hünenhaften Muskelmänner aus Teneriffa von zahlendem Publikum bestaunt wurden.

Selbst wenn Udens Kritik an spanischer Willkür und Inquisition am Ende zu pauschal ausfällt: es bleibt sein Verdienst, im "König von Taoro" das Schicksal des Guanchenvolkes aus dem Nebel des Vergessens herausgeholt und spannend verpackt präsentiert zu haben.

Und es ist dem Engagement der Verlegerin Verena Zech zu danken, dass dieser interessante Teneriffa-Roman von 1941, der schon in Vergessenheit zu geraten drohte, nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu publiziert worden ist.

 

Horst Udens “Der König von Taoro” neu aufgelegt:
Die blonden Hünen des Südens

Buchrezension von Simone Guski
(Teneriffa Magazin, Oktober 2001)

Lope de Vega, mit Calderón und Quevedo einer der drei Großen des spanischen Barocktheaters, hat auf den Sklavenmärkten von Málaga noch gesehen, wie dort die Guanchen zum Verkauf standen. Der Anblick beeindruckte ihn derartig, dass er über die Eroberung Teneriffas eine Komödie schrieb.

Die Guanchen nehmen darin die Rolle der guten Wilden ein, die des Goldes und der Zivilisation nicht bedürfen, wohl aber des Christentums. Durch es bekommen sie eine Seele. Nun wären seine Theaterstücke keine Komödien, wenn diese Seele nicht eher durch den Eros als durch die christliche Nächstenliebe über sie käme und beides untereinander verwechselt werden würde. Die Fürstentochter Dácil verliebt sich genauso wie ihre Untertaninnen. Die Frauen – nicht die Schlachten schlagenden Männer – spielen also die Hauptrolle. Dácil gleicht der griechischen Göttin Hera; dafür wird ein Marienstandbild von den Ureinwohnern, die Skulpturen nicht kennen, für eine liebliche lebende Mutter gehalten. Genug komische Situationen ergeben sich also da aus der Unkenntnis de Zivilisationsprodukte. Dácil will sich heldenhaft vom Felsenstürzen und bekommt von ihrem Diener ein weitaus wirksames Gift, um schnell zu sterben, empfohlen: den Wein. Im Rausche wähnt sie sich schon gestorben. Ins Leben zurückgekehrt muss sie ihren Geliebten erst einmal zur Ehe überreden. Dem bleibt nichts anderes übrig als zu heiraten, und der crossing-over der Kulturen kann seinen Lauf nehmen.

Heroischer geht es in Horst Udens Roman „Der König von Taoro“ über die Eroberung Teneriffas zu. Alle Schlachten sind genau recherchiert, kürzer kommt das menschlich, allzu Menschliche. Es entstand ein Epos, der seine generische Zugehörigkeit zum Lyrischen nicht verbirgt. Zart sind die Landschaftsbeschreibungen, elegisch die eingefügten gereimten Gesänge. Die Guanchen, es mag am Zug der Zeit liegen – der auch als Geschäftsmann tätige Autor verfasste den Roman 1941 – beschreibt er fast als blonde Hünen.

Edel sind sie alle, die Spanier zumindest wagemutig, wenn auch auf Macht aus. Am interessantesten wird der Roman, wenn mal nicht von den Helden die Rede ist, sondern vom schamanischen Wahrsager etwa, der seinem Volk den Untergang voraussagt und damit auch hervorruft.

Dácil, die sich in den Feind verliebt, ihm entsagt, um ihn zu retten, aber auch die Weichen dafür stellt, dass das Leben mit einer neuen Generation wieder weiter gehen kann, gehört zu den wahrhaftigsten Romangestalten. Auch die zweite Garde der Soldaten, die mehr Aberwitz, Zufall und Not in ihre Rollen getrieben hat. In die Geschichte eingeflochten werden ihre Geschichten, als Erzählung in der Erzählung. Sie übernehmen den Part der Spaßmacher, wie in den Farsas, den allegorischen Theaterstücken des alten Spaniens. Hier ahnt man, dass das Personenregister seine Vorlage im Theaterstück hat.

Die unschuldigen Ureinwohner legen den Bereich des Mythischen an sich schon sehr nahe. So sind die besten Teile des Buches diejenigen, wo der Autor selbst im Ton des Mythenerzählers spricht. Er bietet uns verschiedene Mythen über die Herkunft der Guanchen an. Sind sie einst der Kälte des Nordens entflohen? Handelt es sich um verstreute Griechen, aus der Zeit, als noch die Göttin Hera auf Erden waltete, ehe ihr von Herakles die Äpfel der Hesperiden gestohlen wurden? Diese Früchte nun – ihre Herkunft war längst vergessen – brachten nun den Sündenfall, die Zwietracht auch unter die Guanchen, so die schöne Variante Udens.

Der Roman wird Anfang November von Verena Zech neu herausgegeben. Es ist ein historischer Roman, der, wie es Romanen dieser Gattung eigen ist, auch sehr viel über die Zeit, in der er entstand, offenbart.

 

Buchtipp:
Kanarische Geschichte - spannend und unterhaltsam erzählt

(www.ecanarias.com, 2002)

"Der König von Taoro" erzählt die spannende Geschichte von der Eroberung Teneriffas. Die Protagonisten sind Mencey Bencomo, Guanchen-Fürst von La Orotava, und Alonso Fernández de Lugo, spanischer Seefahrer und Konquistador. Sie ziehen den Leser in den Bann ihrer Zeitgeschichte. Der König von Taoro" ist kurzweilig und unterhaltsam, ohne Frage ein "Teneriffa-Bestseller". Horst Uden schrieb den historischen Roman vor sechzig Jahren, vor kurzem erschien die vierte Auflage.

Im Mai 1494 landet De Lugo auf Teneriffa. Er stößt ein hölzernes, "heiliges" Kreuz in die Erde und gründet hier die Stadt Santa Cruz de Tenerife. Die Kreuzfeiern am 3. Mai, die noch heute auf den Kanaren gefeiert werden, erinnern an dieses Ereignis (Titelbild). Er zieht dann über La Laguna (damals gab es hier einen Süßwassersee), Los Rodeos ("die Umwege"), La Matanza ("das Gemetzel") und La Victoria ("der Sieg") bis nach La Orotava vor – dem Sitz von Mencey Bencomo, König von Taoro.

Die Guanchen, Ureinwohner Teneriffas, leisten erbittert Widerstand. Mit ihren traditionellen Waffen – geschleuderte Steine, Lanzen und aus Obsidian geschliffene Messer – wehren sie sich mutig, doch sie können gegen die schweren Kanonen und Kavallerie des kastilischen Heeres nicht gewinnen. Sie flüchten in die Höhen des Tigaiga (der östliche Rand des Orotava-Tals) und ergeben sich schließlich im Herbst 1496 vor der Belagerung bei Los Realejos ("die Heerlager").

Außer dem werden viele Geschichten und Legenden von den Kanarischen Inseln erzählt. Mythen und Sagen über die "Glücklichen Inseln", woher die Guanchen kommen, wie sie lebten und dachten, wie sie feierten – und wie sie liebten:

Textauszug 1

Eine zentrale Rolle spielen die Frauen in dem Roman. Dácil und Guacimara sind zwei Prinzessinnen. Guacimara folgt ihrem Prinzen Ruimán in die Einsiedelei, nachdem er wegen Übermut – er führt eine fatale, eigenmächtige Attacke gegen den Feind an – auf den Thron verzichten und seine Familie verlassen muss. Dácil dagegen – die Tochter des Mencey Bencomo – liebt unbekannter- und wundersamerweise den spanischen Reiterführer Gonzalo de Castillo. Sie wird am Ende zur Symbolfigur der sich vermischenden Kulturen.

Textauszug 2

Lassen Sie sich verführen zu einer Zeitreise, in die Welt der Guanchen und der spanischen Konquistadoren. Sie werden Teneriffa danach mit anderen Augen sehen.

 

"Der König von Taoro" ist im Buchhandel auf Teneriffa für 14,50 Euro erhältlich. Direkt bestellen: Zech Verlag, Carretera Vieja, 40, E-38390 Santa Úrsula, Tel.: +34-922-30 25 96, E-Mail: info(ÄT)zech-verlag.com. Postversand nach Deutschland zuzüglich 3,25 Euro Versandkosten

 

 

In Añaza (heute Santa Cruz de Tenerife) landeten im Jahr 1494 die spanischen Seefahrer, um die Insel Teneriffa den Katholischen Königen zu unterwerfen. Sie wollten nach Taoro vordringen, dem Sitz des mächtigsten Guanchen-Fürsten, Mencey Bencomo. In La Matanza und La Victoria fanden entscheidende Schlachten statt. Die Ortsnamen bedeuten "Gemetzel" bzw. "Sieg" und erinnern noch heute an diese Ereignisse. – Im Herbst 1496 flüchteten sich die Guanchen in die Tigaiga-Höhen am Rande des Orotava-Tals (durch Punkte markiert) und ergaben sich schließlich angesichts der Belagerung bei Los Realejos ("die Heerlager").
 

 

 

Auszug 1:

„So unversöhnlich die Guanchen dem widerstehenden Feinde entgegentraten, so edel waren sie gegen den unterlegenen. Gefangene wurden von ihren Wunden geheilt, ausgetauscht und oft noch mit Geschenken entlassen.

Wilde Tiere gab es auf ihrer glücklichen Insel nicht, nicht einmal die kleinste Giftschlange. Der einzige, den sie fürchteten, war Guayote, der Dämon, der im feuerspeienden Echeyde wohnte (Echeyde, Hölle, oder Teide: der Pico de Tenerife).

Wenn er zürnte, schleuderte er glühende Felsen aus dem Bauche des Riesen, ein breiter Feuerstrom ergoß sich aus seinem weitgeöffneten Maul. Alles riß er nieder, was sich ihm in den Weg stellte. Sengend fuhr er über die fruchtbaren Felder. Aus seinen Nüstern blies er dunkle, giftige Schwaden in den stahlblauen Tigot, den Himmel, die strahlende Magec, die Sonne, verdunkelte sich, das Meer schäumte auf und donnerte über die Klippen bis tief in den Wald hinein, knickte Bäume wie dürre Äste und zerspellte sie, zurückflutend, an den Felsen.

Dann flohen die Guanchen in ihre Höhlen, hockten ängstlich zusammengekauert zwischen den Schafen, Ziegen und Hunden, die sich eng aneinanderdrängten, horchten erschauernd auf das höllische Grauen und flehten zu Acoran, zu Gott, um Hilfe und Rettung.

Ihr Glaube war kindlich und einfach wie sie selbst: Gott schuf einige Menschen und gab ihnen Herden, Land und Wasser. Dann schuf er mehr, gab ihnen nichts und sagte: „Dient den anderen, und sie werden euch geben!“ So gehörte alles Land dem Mencey; er verteilte es auf Lebenszeit, dann fiel es an ihn zurück.

Ihre Hauptnahrung bestand aus Gofio, geröstetem und dann gemahlenem Getreide, das sie mit Milch oder Wasser mischten, aus Pilzen, Feigen, saftigen Früchten des Mocan und des Erdbeerbaums, aus Brombeeren, Datteln, Fichtenzapfen und Palmenbirnen. Allem aber zogen sie Zickelfleisch und Wildkaninchen vor.“

 

Auszug 2:

„Prinzessin Guacimara lag schlaflos in der geräumigen Höhle auf weichem Lager und träumte vor sich hin. Ein Kienspan warf sein flackerndes Licht auf die zackigen Wölbungen der Decke, und im Halbdunkel tanzten zitternde Schatten über die felsigen Wände. Leise tönten vom Eingang her die flüsternden Stimmen der Dienerinnen . . .

Kurz vor Dämmerung waren Boten aus Taoro gekommen, die ihrem Vater Beneharo das Eintreffen des Prinzen Ruimán und seiner Schwester Dácil meldeten. Er hatte also Wort gehalten, damals beim letzten Beñesmen, als er ihr versprach, nach Anaga zu kornmen. Morgen gegen Mittag würde er hier sein.

Jähes Glücksgefühl machte sie wonnig erschauern. „Blume von Anaga“ hatte er sie genannt mit seiner schönen, weichen und doch so männlichen Stimme, „Blume von Anaga . . .“

Sie liebte ihn, diesen jungen, ritterlichen Prinzen mit den träumerischen Augen und der adligen Gesinnung. Schon als Kinder hatten sie zusammen am Strande von Taoro gespielt, waren von Klippe zu Klippe gesprungen, hatten kleine, weiße Muscheln gesucht und flache Steine übers Meer tanzen lassen. Wenn sie müde war, trug er sie auf seinen Armen hinauf zum Tagoror, legte sie behutsam unter den schattigen Lorbeerbäumen nieder und bewachte ihren Schlummer.

Ja, sie liebte ihn! Wenn einer ebenbürtig war an Sinn und Geschlecht, dann er, NUR er. Und sie? Sie würde einst Königin von Taoro, Königin von Tehinerfe sein, sie, die sie Guacimara, die Mannhafte, nannten."

 

 



 

 

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