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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Meinung und Rezension

Spanien: Tanausú – König der Guanchen
Ein historischer Roman von Harald Braem


Buchbesprechung von Berthold Volberg
(www.caiman.de, Juni 2005)

In den Geschichtsbüchern, die sich dem Beginn der Neuzeit widmen, ist diese Episode aus dem Jahr 1492 nur eine Fußnote wert: eine winzige Notiz im Windschatten der "Entdeckung" Amerikas durch Kolumbus. Die Eroberung der kleinen Kanareninsel Benahoare (später von den spanischen Eroberern La Palma genannt) ist das Thema des historischen Romans "Tanausú – König der Guanchen" von Harald Braem, der 2003 vom Zech Verlag auf Teneriffa publiziert wurde.

Was in vielen historiographischen Werken nur in einem Satz erwähnt wird, war für die Eroberten, das Volk der Guanchen, der Zusammenbruch ihrer Welt und für die Sieger die Entdeckung einer neuen – auch wenn die meisten von ihnen das nicht zu würdigen wussten. Der dramatische Zusammenprall zweier Kulturen, der europäisch-katholischen und der weißafrikanisch-kanarischen, der mit der Einverleibung der herzförmigen Insel La Palma ins spanische Imperium enden sollte, bildet den Hintergrund für die Romanhandlung. Der Autor beginnt seine Erzählung mit einer Rückblende, in der einer der ältesten Guanchenkrieger dem jungen Bencomo, der Hauptfigur des Romans, vom ersten Invasionsversuch der Spanier unter Guillén Peraza berichtet. Damals konnten die Guanchen die spanischen Eindringlinge noch in der Schlucht der Todesängste besiegen. Aber der Alte warnt vor einer möglichen Rückkehr der Konquistadoren und bekanntlich sollte er Recht behalten.

Alonso Fernández de Lugo, der schon Gouverneur der soeben endgültig eroberten Insel Gran Canaria war, gelingt es, die Katholischen Könige Ferdinand und Isabela davon zu überzeugen, dass die Eroberung der restlichen Kanaren La Palma und Teneriffa ein gewinnbringendes Unternehmen sei. Originell ist die Ironie von Harald Braem, der König Ferdinand von Aragón Worte in den Mund legt, mit denen er sich über Kolumbus abfällig äußert, den er als Phantasten bezeichnet, dessen drei Schiffe wohl nie mehr aus dem Nirgendwo zurückkehren würden. Da war La Palma doch ein viel handfesteres Ziel mit kalkulierbarem Risiko.

So erscheinen die Schiffe der Konquistadoren um Alonso de Lugo in der Bucht von Tazacorte und fortan praktiziert der Autor einen geschickten Standortwechsel. Er verbirgt zwar nicht, dass seine Sympathien eindeutig auf der Seite der besiegten Guanchen liegen, aber seine Geschichte gewinnt an Glaubwürdigkeit und Spannung dadurch, dass er sie aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Zunächst beschreibt er den unerwarteten Anblick der spanischen Invasionsschiffe aus der Sicht der entsetzten Guanchen, die ahnen, dass dies das Ende ihrer kleinen freien Welt ist. Danach schildert er die ersten Eindrücke der Spanier von der exotischen Insel. Neben dem Anführer De Lugo baut er dabei die ihn begleitenden Missionare zu weiteren Hauptfiguren auf spanischer Seite auf. Dem fanatischen, von Inquisitionseifer und Kreuzzugsmentalität getriebenen Pater Innozenz stellt der Autor den idealistischen Pater Ángel und den unschuldigen jungen Mönch Domingo gegenüber. Domingo spürt immer stärkere Abscheu vor der Gewalt und zunehmenden Brutalität, mit der seine Spanier zum Beispiel nach der Schlacht bei den Mondbergen im Süden der Insel gegen die Besiegten vorgehen. Seine Zweifel machen ihn zum Gewissen der Konquistadoren, obwohl er kaum wagt, seine Verurteilung offen zu äußern - er vertraut sie nur seinem Tagebuch an. Der junge Mönch ist hin und her gerissen zwischen der Angst vor dem Unbekannten und der zaghafter Faszination für das rätselhaft Neue. Symbolisch wird dies angedeutet, als er widerstrebend eine Tonfigur der Erdgöttin Tara behält, obwohl dies als Ketzertum gilt.

Überhaupt gelingt es dem Autor Harald Braem, seine fundierten Kenntnisse über die Mythologie, Religion und Sitten der Ureinwohner von La Palma in die Handlung einzuflechten und diese Informationen spannend verpackt dem Leser zu vermitteln. So erfährt man nicht nur etwas über die Erdgöttin Tara, sondern auch über den Dämon aus dem Vulkankrater (Guayote), vor dem die Guanchen angstvoll erzittern, über die klosterähnlich lebenden Heilfrauen (Harimaguadas) und die zentrale kultische Bedeutung der inmitten des Riesenkraters aufragenden phallischen Felsnadel des Roque de Idafe, der von den Guanchen als Stütze des Himmels verehrt wurde und auch heute noch ein geheimnisvoller Ort ist. Zu den absoluten Höhepunkten des Romans gehört für mich die Beschreibung des Initiationsritus, an dem Mazo, der halbwüchsige Bruder von Bencomo, teilnimmt. Es ist eine Mutprobe, die ihn zum Krieger machen soll. Dabei werden die Gefühle Mazos, seine Grenzerfahrungen und die Todesangst während der lebensgefährlichen Bewährung mit fast mystischer Intensität beschrieben.

Wenn man die Protagonisten auf der Seite der Guanchen betrachtet, so ist es anfangs etwas irritierend für den Leser, dass der titelgebende Guanchenkönig Tanausú gar nicht die eigentliche Hauptfigur des Romans ist. Er spielt zunächst lediglich eine Nebenrolle, bevor er im letzten Drittel der Erzählung in den Mittelpunkt rückt, als er die Führerschaft der Guanchen im Zuge ihres letzten Aufbäumens gegen die spanischen Invasoren an sich reißt. Und als er schließlich nach der entscheidenden Niederlage (deren Schauplatz die Schlacht der Todesängste war) am Ende als Sklave an den Mast des Schiffes gekettet von Lugo gen Cádiz segelt, verkörpert er das ganze tragische Schicksal des Guanchenvolkes.

Harald Braem ist mit "Tanausú" ein höchst empfehlenswerter historischer Roman gelungen. Wenn man ihm eines vorwerfen kann, dann vielleicht, dass er die Geschichte an einer besonders interessanten Stelle abrupt abbricht. Nämlich in dem Moment, als der Guanchenkrieger Bencomo, der als einer der wenigen den spanischen Sklavenjägern entkommen kann, den jungen spanischen Mönch bewusstlos neben dem Schlachtfeld findet. Wie diese Begegnung nun weiter geht, hätte man als Leser schon gerne gewusst. Aber das wäre wohl schon eine neue Geschichte.

 

Kanaren-Literatur:
Tanausu. Der in der Caldera de Taburiente tanzt

Buchbesprechung von Petra Vock
(Info Canarias, Dezember 2003)

Ja, so könnte es gewesen sein. So oder ganz anders. Aber auch wenn die historische Wahrheit für immer rätselhaft bleiben wird, wahr ist diese Geschichte auf jeden Fall. Weil sie vom Tod erzählt und vom Leben, von der Liebe, von Verrat und von der Spiritualität – die gerade jenen völlig fehlt, die gekommen sind, um die anderen zu missionieren. Es geht um La Palma, und wir schreiben das Jahr 1493. Harald Braems Roman "Tanausu - König der Guanchen" bringt dem Leser ungemein spannend und farbenreich die Kultur der Ureinwohner der "Isla Bonita" näher (die damals noch Benahoare hieß) und die Unkultur ihrer spanischen Eroberer, die gekommen sind, um mit Blut zu taufen.

Mit Tanausu ist der Kulturforscher und Schriftsteller Braem einer kanarischen Legende auf der Spur, einer Symbolfigur für Stolz und Freiheitswillen: Tanausu, das ist der König des Reiches Aceró im riesigen Vulkankrater der Caldera de Taburiente. Unsterblichkeit erlang er dadurch, dass er den spanischen Eroberern am längsten Widerstand leistet und sich auch nach seiner Gefangennahme die Freiheit nicht rauben lässt. Wie das geht und wie es den Spaniern trotz der militärischen Uneinnehmbarkeit der Caldera de Taburiente gelang, Tanausu zu besiegen und damit La Palma zu erobern, das liest man am besten selbst nach.

Braem erzählt eine Geschichte und bringt gleichzeitig Geschichte näher. Wer schon längst wissen wollte, was eine Harimaguada war, oder es sich noch nie merken konnte – hier erfährt er es und vergisst es nicht mehr. Wie kam "Los Llanos de Aridane" zu seinem Namen, und worin besteht das Seltsame daran? Der Leser, durch erzählerisches Geschick in den Bann gezogen, lernt den Hintergrund von Namen und Begriffen, die heute noch jedem Kanarenreisenden auf Schritt und Tritt begegnen ("Lady Harimaguada" - so heißt beispielsweise der "Oscar", der beim Filmfestival in Las Palmas alljährlich vergeben wird).

Applaus gebührt diesem Text dafür, dass der Erzähler - trotz eindeutiger Parteinahme für die "Wilden" - nicht vordergründig moralisiert und keine peinliche Kampf- und Heldenideologie vertritt wie etwa Horst Uden mit seinem wesentlich älteren Roman von der Eroberung Teneriffas ("Der König von Taoro"), mit dem man "Tanausu" trotz des ähnlichen Themas zu Unrecht vergleichen würde. Auch die Schwarzweißmalerei hält sich in Grenzen: Neben einem Pater, der La Palma dadurch "hispanisiert", dass er den "spanischen Schuh" und die Inquisition hinbringt, gibt es auch noch einen anderen, der tatsächlich in der Absicht gekommen ist, die Liebe zu predigen, und der die Ureinwohner respektiert. Durch seine Augen und die des jungen spanischen Schreibers Domingo wird dem Leser die Brutalität und der Stumpfsinn der Konquistadoren offenbart.

Und auch in den Reihen der Guanchen gibt es Verräter. Ungeheuer eindringlich ist die Szene beschrieben, als Gazmira der Folter der Inquisition unterzogen wird. Jene Gazmira, die als junges Guanchenmädchen von den Spaniern gefangen und verschleppt wird und später als zerstörte Greisin zurückkehrt und zur Verräterin wird - dadurch Täterin und unendlich bedauernswertes Opfer zugleich.

Zwar muss nicht jeder, der aus verlogenen Motiven in einem verbrecherischen Krieg angegriffen wird, dadurch automatisch eine moralisch überlegene Lichtgestalt sein (das lehrt einen das Zeitgeschehen). Aber in diesem Roman ist die von fern an Kevin Costners Wolfstänze erinnernde Sympathie mit den naturverbundenen Ureinwohnern nachvollziehbar und überzeugend. Dass diese Menschen, die der Natur noch viel mehr ausgeliefert waren als ihre "zivilisierten" Artgenossen in Europa, sich eine tiefere Spiritualität und mehr Seelenadel bewahrt hatten als die sich überlegen wähnenden Eroberer und dass den Guanchen gerade dieser Mangel an Verlogenheit zum Verhängnis wurde, das klingt überaus plausibel.

Überraschend ist das Ende des Textes: "Vacaguare!" (ich will sterben), heißt es da an einer Stelle, und kurz darauf von jemand anderem: "Er wird überleben." Wer oder was stirbt und überlebt, lieber Leser, das sollten Sie selbst herausfinden. Es lohnt sich! 

 

Die Geschichte des Untergangs der Guanchen-Kultur von Harald Braem: Tanausú – König der Guanchen

Buchbesprechung von Nina Stammer
(Teneriffa Magazin, November 2003)

Tanausú – König der Guanchen ist ein historischer Roman, der die erschreckend grausame und hinterhältige Eroberung La Palmas im Jahre 1492 durch den Spanier Alonso Fernández de Lugo, der auch bei der Eroberung Gran Canarias eine wichtige Rolle spielte, schildert.

Schon der Feldherr Guillén Peraza versuchte circa 40 Jahre zuvor vergeblich, La Palma zu erobern. Scheiterte dabei aber durch eigenen Hochmut und der Courage sowie der wilden Entschlossenheit und Freiheitsliebe der Ureinwohner von La Palma kläglich. Aus diesem Grund ist die Invasion de Lugos nicht nur als Eroberung einer Insel, sondern auch als Rachfeldzug gegen die aufständischen „Wilden“ ausgeartet.

Das Grundgerüst dieses Romans ist die fortlaufende Geschichte eines Erzählers. Gleichzeitig werden einige Ereignisse aus der Sicht verschiedener Protagonisten geschildert. Mal aus der Sicht des jungen Kriegers Bencomo, der in dieser Zeit nicht nur seinen Mut und sein kriegerisches Können unter Beweis stellen muss, sondern auch die Liebe zu der schönen und klugen Ica entdeckt.

Oder aus der Sicht des sensiblen und aufmerksamen Schreibers Domingo auf der Seite der spanischen Eroberer, der seine Erlebnisse, Gefühle und Entdeckungen in einem Brief an einen Freund in Spanien schildert.

Braems Erzählstil zeichnet sich durch eine angenehme, phantasievolle Bildsprache aus. Vor allem die Landschaftsbeschreibungen von La Palma beschreibt Braem mit einem außerordentlichen Sinn für Details, die einen beim Lesen dieser Geschichte viel Freude bereiten.

„Das Meer lag still glitzernd wie eine Perle zwischen den Schatten der Berge. Ein sanfter warmer Wind glitt über die Wände, raschelte in den langstieligen Blättern der Drachenbäume. Wie Riesen der Urzeit sahen sie aus mit ihren knorrigen Wurzelstämmen, den wuchtigen, weitausladenden Kronen. Über die scharfe Felskante des Time glitt pfeilschnell ein Falkenpaar dahin, streifte mit den Schwingen fast den Boden, um sich dann im Steilflug in die Schlucht hinabzustürzen. Ihr schrilles Keckern verriet, dass sie dort unten Beute erspäht hatten. Weiter westlich tanzte ein Krähenschwarm die große Spirale, regnete dann wie auf ein geheimes Kommando hin auf die saftgrünen Hänge ab. Ein paar Passatwolken trieben am Himmel. Als goldener Kamm harkte die Sonne durchs Gras, ließ die Farben aufleuchten, ein brennendes Grün, blutrot die Wände aus Lavatuff und silbergrau die verwitterten, schrundigen Basaltblöcke.“

In diesem offensichtlich sehr gut recherchierten und liebevollen Roman erfährt man besonders viel über das Leben, Denken und Handeln der Guanchen, bevor die Spanier sie besiegten und bekehrten und ihr Land eroberten. Der Kulturforscher Harald Braem verwendet viel Zeit darauf, die Alltagswelt der Guanchen, ihre Bräuche, Ansichten, ihren Glauben und ihr Verhältnis zur Natur zu schildern. Gerade diese Beschreibungen werden durch viele Kleinigkeiten aus dem Leben der Guanchen belebt und erhalten dadurch Glaubwürdigkeit.

Der Autor und langjährige Kanarenkenner Harald Braem hat mit einem außerordentlichen Einfühlungsvermögen die Geschehnisse dieser Zeit aus verschiedenen Perspektiven beschrieben, was diesen Roman so interessant, abwechslungsreich und lesenswert macht. Tanausú, König der Guanchen ist nicht nur als historischer Roman sehr informativ, sondern auch als Lektüre für Jedermann äußerst fesselnd und unterhaltsam.

 

Weitere historische Neu-Auflage im „Editorial Zech Verlag“:
Tanausú – König der Guanchen

Buchrezension von Michael Wieseler
(Teneriffa Nachrichten, August 2003)

„Höre“, sagte der Alte, „ich will dir eine Geschichte erzählen, und sie wird anders klingen, als du sie bisher gehört hast. Denn im Gegensatz zu den meisten weiß ich, wovon ich rede. Ich bin selbst dabei gewesen, damals vor vierzig Jahren, als die Fremden über das Meer kamen... Du siehst die Schlucht, die vor uns zur Bucht hin ausläuft. Sie heißt die Schlucht der Todesängste, und sie hat ihren Namen wirklich verdient. Schreckliches ist damals dort unten geschehen, viel Blut ist geflossen und hat den Taburientefluß rot gefärbt. Zahllose Krieger sind im Kampf umgekommen – fast alle Feinde, und viele von unserem Stamm.“

Mit diesen Sätzen läßt Harald Braem seinen Roman „Tanausú. Der König der Guanchen“ beginnen. Das Buch erzählt die spanische Eroberung der kanarischen Insel La Palma im Jahre 1492. Doch der alte Krieger, den der Autor zunächst sprechen lässt, berichtet dem um Jahrzehnte jüngeren Krieger Bencomo von einem früheren spanischen Eroberungsversuch, den der Feldherr Guillén Peraza – zum Segen der Ureinwohner (der Guanchen) – hochmütig dümmlich verpatzte, indem er sich und seine Armee in einem Hinterhalt einkesseln ließ.

„Seit jener Zeit“, läßt Braem den Alten weitererzählen, „haben wir nie aufgehört, die Bucht zu bewachen. Wenn es auch für die Fremden eine schlimme Erfahrung war, auf Benahoare (i.e. La Palma) zu landen, und hoffentlich auch eine Lehre, so weiß man doch nicht, ob sie nicht vielleicht doch eines Tages wiederkommen. Und wenn, kann sollten sie uns bereit und in Waffen antreffen. Es ist sehr wichtig, hier Wache zu halten, lebenswichtig sogar... Deshalb sollte ein Krieger, der hier oben seinen Dienst tut, sich nie vom Schlaf übermann lassen. Es kann verderblich sein für den ganzen Stamm sein, wenn die Wache einschläft.“

Genau dies aber – nämlich während der Wache einzuschlafen – widerfährt bereits in der folgenden Szene dem vom Alten gewarnten jungen Krieger Bencomo, den übrigens der Autor zum Protagonisten der rührenden und (trotz allen kollektiven Guanchen-Unglücks) tröstlich ausgehenden Liebesgeschichte bestimmt. Sein Einschlafen: ein für den wachen Leser unheilverkündendes Vorzeichen – und zugleich von der Seite des Autors ein beeindruckender Griff in die Handwerkskiste der erzählerischen Dramaturgie.

Denn klar ist nun soviel: Unmittelbar steht die Rückkehr der Fremden bevor. Und unaufhaltsam wird sich das Schicksal der Guanchen danach hin zum vollkommenen Untergang neigen: Dösende und zerstrittene Stammesfürsten lassen sich von der spanischen Streitmacht unter dem General Alonso de Lugo fast widerstandslos unterwerfen. Da und dort aufflackernde Gegenwehr wird von den spanischen Konquistadoren erbarmungslos niedergeschlagen. Die Standhaften der Stämme aber sammeln und scharen sich unterdessen um den noch jungen Fürsten Tanausú, der in der Not auf eigene Faust die Hochkönigswürde der Führerschaft an sich zieht.

Der geschichtlich verbürgte Romanheld Tanausú, der gegen die spanischen Eindringlinge einen ebenso entschlossenen wie aussichtslosen Kampf beginnt und am Schluß tragisch scheitern muss, wird von den Tapfersten und Edelsten seines Volkes mit aller Kraft unterstützt. Und dabei spielen nicht nur die Krieger der Guanchen eine tragende Rolle; zumindest ebenso wichtig nimmt Braem die weisen und heilkundigen Frauen, deren Kloster im hohen Gebirge ein Zentrum, ja vielleicht das Rückgrat und Herz des Widerstands bildet.

Doch der nach Ruhm, Macht und Reichtum strebende Alonso de Lugo (der vier Jahre später Teneriffa erobern sollte) und sein frühinquisitorisch priesterlicher Begleiter Innozenz („der Unschuldige“) sind in ihrem Eroberungs- und Christianisierungsdrang nicht mehr zu stoppen: Der nach den ersten beiden Sequenzen vorauszuahnende Niedergang der Guanchen-Kultur auf La Palma wird auf den folgenden knapp dreihundert Seiten dramatisch und fesselnd erzählt.

Aufwendige Recherche-Arbeit hat Harald Braem, enger Freund des verstorbenen Forschers Thor Heyerdahl seiner schriftstellerischen Leistung vorangestellt. In seinem Roman verbinden sich Sachkunde, Einfühlungsvermögen, Phantasie, dramaturgisches Geschick beim Aufbau der Handlung und nicht zuletzt ein stilsicherer und bildkräftiger Umgang mit der deutschen Sprache. Herausgekommen ist ein beeindruckendes und lesenswertes Werk, das auf dem Gebiet der erzählerischen Guanchen-Literatur seinesgleichen sucht.

Verdient hätte das Buch daher eine auffälligere und thematisch deutlichere Gestaltung der Titelseite. Nicht nur erscheint in der vorliegenden Form die Typographie zu minimalistisch: Eine Vielzahl von Urlaubern, denen der Roman durchaus zu einigen durchschmökerten Nächten oder Strandtagen verhelfen könnte, werden mit den Titel-Informationen („Tanausú“ und „Guanchen“) vermutlich kaum etwas anfangen können und sich somit weniger zum Kauf des Bandes anreizen lassen. Ein unmissverständlicher – ja, sei’s drum: vielleicht reißerischer – Hinweis darauf, dass der Roman unterhaltsam und lehrreich aus der Geschichte ihres kanarischen Urlaubsgebietes erzählt, wäre dem Buch unbedingt zu wünschen gewesen.

Harald Braem: Tanausú – König der Guanchen. Roman. Zech Verlag, Teneriffa 2003, ISBN 84-933108-0-8. Kontakt: Tel. +34 922 30 25 96, www.zech-verlag.com, www.haraldbraem.com. Erhältlich auch in den bekannten Buchhandlungen.

 



 

 

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