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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Meinung und Rezension

Horst Udens “Der König von Taoro” neu aufgelegt:
Die blonden Hünen des Südens

Buchbesprechung von Simone Guski

Lope de Vega, mit Calderón und Quevedo einer der drei Großen des spanischen Barocktheaters, hat auf den Sklavenmärkten von Málaga noch gesehen, wie dort die Guanchen zum Verkauf standen. Der Anblick beeindruckte ihn derartig, dass er über die Eroberung Teneriffas eine Komödie schrieb.

Die Guanchen nehmen darin die Rolle der guten Wilden ein, die des Goldes und der Zivilisation nicht bedürfen, wohl aber des Christentums. Durch es bekommen sie eine Seele. Nun wären seine Theaterstücke keine Komödien, wenn diese Seele nicht eher durch den Eros als durch die christliche Nächstenliebe über sie käme und beides untereinander verwechselt werden würde. Die Fürstentochter Dácil verliebt sich genauso wie ihre Untertaninnen. Die Frauen – nicht die Schlachten schlagenden Männer – spielen also die Hauptrolle. Dácil gleicht der griechischen Göttin Hera; dafür wird ein Marienstandbild von den Ureinwohnern, die Skulpturen nicht kennen, für eine liebliche lebende Mutter gehalten. Genug komische Situationen ergeben sich also da aus der Unkenntnis de Zivilisationsprodukte. Dácil will sich heldenhaft vom Felsenstürzen und bekommt von ihrem Diener ein weitaus wirksames Gift, um schnell zu sterben, empfohlen: den Wein. Im Rausche wähnt sie sich schon gestorben. Ins Leben zurückgekehrt muss sie ihren Geliebten erst einmal zur Ehe überreden. Dem bleibt nichts anderes übrig als zu heiraten, und der crossing-over der Kulturen kann seinen Lauf nehmen.

Heroischer geht es in Horst Udens Roman „Der König von Taoro“ über die Eroberung Teneriffas zu. Alle Schlachten sind genau recherchiert, kürzer kommt das menschlich, allzu Menschliche. Es entstand ein Epos, der seine generische Zugehörigkeit zum Lyrischen nicht verbirgt. Zart sind die Landschaftsbeschreibungen, elegisch die eingefügten gereimten Gesänge. Die Guanchen, es mag am Zug der Zeit liegen – der auch als Geschäftsmann tätige Autor verfasste den Roman 1941 – beschreibt er fast als blonde Hünen.

Edel sind sie alle, die Spanier zumindest wagemutig, wenn auch auf Macht aus. Am interessantesten wird der Roman, wenn mal nicht von den Helden die Rede ist, sondern vom schamanischen Wahrsager etwa, der seinem Volk den Untergang voraussagt und damit auch hervorruft.

Dácil, die sich in den Feind verliebt, ihm entsagt, um ihn zu retten, aber auch die Weichen dafür stellt, dass das Leben mit einer neuen Generation wieder weiter gehen kann, gehört zu den wahrhaftigsten Romangestalten. Auch die zweite Garde der Soldaten, die mehr Aberwitz, Zufall und Not in ihre Rollen getrieben hat. In die Geschichte eingeflochten werden ihre Geschichten, als Erzählung in der Erzählung. Sie übernehmen den Part der Spaßmacher, wie in den Farsas, den allegorischen Theaterstücken des alten Spaniens. Hier ahnt man, dass das Personenregister seine Vorlage im Theaterstück hat.

Die unschuldigen Ureinwohner legen den Bereich des Mythischen an sich schon sehr nahe. So sind die besten Teile des Buches diejenigen, wo der Autor selbst im Ton des Mythenerzählers spricht. Er bietet uns verschiedene Mythen über die Herkunft der Guanchen an. Sind sie einst der Kälte des Nordens entflohen? Handelt es sich um verstreute Griechen, aus der Zeit, als noch die Göttin Hera auf Erden waltete, ehe ihr von Herakles die Äpfel der Hesperiden gestohlen wurden? Diese Früchte nun – ihre Herkunft war längst vergessen – brachten nun den Sündenfall, die Zwietracht auch unter die Guanchen, so die schöne Variante Udens.

Der Roman wird Anfang November von Verena Zech neu herausgegeben. Es ist ein historischer Roman, der, wie es Romanen dieser Gattung eigen ist, auch sehr viel über die Zeit, in der er entstand, offenbart.

Teneriffa Magazin, Oktober 2001

 

 

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