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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Meinung und Rezension

Weitere historische Neu-Auflage im „Editorial Zech Verlag“:
Tanausú – König der Guanchen

Buchrezension von Michael Wieseler

„Höre“, sagte der Alte, „ich will dir eine Geschichte erzählen, und sie wird anders klingen, als du sie bisher gehört hast. Denn im Gegensatz zu den meisten weiß ich, wovon ich rede. Ich bin selbst dabei gewesen, damals vor vierzig Jahren, als die Fremden über das Meer kamen... Du siehst die Schlucht, die vor uns zur Bucht hin ausläuft. Sie heißt die Schlucht der Todesängste, und sie hat ihren Namen wirklich verdient. Schreckliches ist damals dort unten geschehen, viel Blut ist geflossen und hat den Taburientefluß rot gefärbt. Zahllose Krieger sind im Kampf umgekommen – fast alle Feinde, und viele von unserem Stamm.“

Mit diesen Sätzen läßt Harald Braem seinen Roman „Tanausú. Der König der Guanchen“ beginnen. Das Buch erzählt die spanische Eroberung der kanarischen Insel La Palma im Jahre 1492. Doch der alte Krieger, den der Autor zunächst sprechen lässt, berichtet dem um Jahrzehnte jüngeren Krieger Bencomo von einem früheren spanischen Eroberungsversuch, den der Feldherr Guillén Peraza – zum Segen der Ureinwohner (der Guanchen) – hochmütig dümmlich verpatzte, indem er sich und seine Armee in einem Hinterhalt einkesseln ließ.

„Seit jener Zeit“, läßt Braem den Alten weitererzählen, „haben wir nie aufgehört, die Bucht zu bewachen. Wenn es auch für die Fremden eine schlimme Erfahrung war, auf Benahoare (i.e. La Palma) zu landen, und hoffentlich auch eine Lehre, so weiß man doch nicht, ob sie nicht vielleicht doch eines Tages wiederkommen. Und wenn, kann sollten sie uns bereit und in Waffen antreffen. Es ist sehr wichtig, hier Wache zu halten, lebenswichtig sogar... Deshalb sollte ein Krieger, der hier oben seinen Dienst tut, sich nie vom Schlaf übermann lassen. Es kann verderblich sein für den ganzen Stamm sein, wenn die Wache einschläft.“

Genau dies aber – nämlich während der Wache einzuschlafen – widerfährt bereits in der folgenden Szene dem vom Alten gewarnten jungen Krieger Bencomo, den übrigens der Autor zum Protagonisten der rührenden und (trotz allen kollektiven Guanchen-Unglücks) tröstlich ausgehenden Liebesgeschichte bestimmt. Sein Einschlafen: ein für den wachen Leser unheilverkündendes Vorzeichen – und zugleich von der Seite des Autors ein beeindruckender Griff in die Handwerkskiste der erzählerischen Dramaturgie.

Denn klar ist nun soviel: Unmittelbar steht die Rückkehr der Fremden bevor. Und unaufhaltsam wird sich das Schicksal der Guanchen danach hin zum vollkommenen Untergang neigen: Dösende und zerstrittene Stammesfürsten lassen sich von der spanischen Streitmacht unter dem General Alonso de Lugo fast widerstandslos unterwerfen. Da und dort aufflackernde Gegenwehr wird von den spanischen Konquistadoren erbarmungslos niedergeschlagen. Die Standhaften der Stämme aber sammeln und scharen sich unterdessen um den noch jungen Fürsten Tanausú, der in der Not auf eigene Faust die Hochkönigswürde der Führerschaft an sich zieht.

Der geschichtlich verbürgte Romanheld Tanausú, der gegen die spanischen Eindringlinge einen ebenso entschlossenen wie aussichtslosen Kampf beginnt und am Schluß tragisch scheitern muss, wird von den Tapfersten und Edelsten seines Volkes mit aller Kraft unterstützt. Und dabei spielen nicht nur die Krieger der Guanchen eine tragende Rolle; zumindest ebenso wichtig nimmt Braem die weisen und heilkundigen Frauen, deren Kloster im hohen Gebirge ein Zentrum, ja vielleicht das Rückgrat und Herz des Widerstands bildet.

Doch der nach Ruhm, Macht und Reichtum strebende Alonso de Lugo (der vier Jahre später Teneriffa erobern sollte) und sein frühinquisitorisch priesterlicher Begleiter Innozenz („der Unschuldige“) sind in ihrem Eroberungs- und Christianisierungsdrang nicht mehr zu stoppen: Der nach den ersten beiden Sequenzen vorauszuahnende Niedergang der Guanchen-Kultur auf La Palma wird auf den folgenden knapp dreihundert Seiten dramatisch und fesselnd erzählt.

Aufwendige Recherche-Arbeit hat Harald Braem, enger Freund des verstorbenen Forschers Thor Heyerdahl seiner schriftstellerischen Leistung vorangestellt. In seinem Roman verbinden sich Sachkunde, Einfühlungsvermögen, Phantasie, dramaturgisches Geschick beim Aufbau der Handlung und nicht zuletzt ein stilsicherer und bildkräftiger Umgang mit der deutschen Sprache. Herausgekommen ist ein beeindruckendes und lesenswertes Werk, das auf dem Gebiet der erzählerischen Guanchen-Literatur seinesgleichen sucht.

Verdient hätte das Buch daher eine auffälligere und thematisch deutlichere Gestaltung der Titelseite. Nicht nur erscheint in der vorliegenden Form die Typographie zu minimalistisch: Eine Vielzahl von Urlaubern, denen der Roman durchaus zu einigen durchschmökerten Nächten oder Strandtagen verhelfen könnte, werden mit den Titel-Informationen („Tanausú“ und „Guanchen“) vermutlich kaum etwas anfangen können und sich somit weniger zum Kauf des Bandes anreizen lassen. Ein unmissverständlicher – ja, sei’s drum: vielleicht reißerischer – Hinweis darauf, dass der Roman unterhaltsam und lehrreich aus der Geschichte ihres kanarischen Urlaubsgebietes erzählt, wäre dem Buch unbedingt zu wünschen gewesen.

Harald Braem: Tanausú – König der Guanchen. Roman. Zech Verlag, Teneriffa 2003, ISBN 84-933108-0-8. Kontakt: Tel. +34 922 30 25 96, www.zech-verlag.com, www.haraldbraem.com. Erhältlich auch in den bekannten Buchhandlungen.

Teneriffa Nachrichten, August 2003
 

 

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