Bücher-Herbst 2007
Unter dem Drachenbaum –
Kanarische Legenden
Der neue
Uden-Bestseller ist erschienen
Santa
Úrsula – Viele Deutsche auf den Kanaren kennen den Roman
„Der König von Taoro“ von Horst Uden, der sich laut Angaben des Verlags vom
Bestseller zum Longseller entwickelt hat. „Unsere treuen Leser werden sich
für den neuen Uden-Titel ‚Unter dem Drachenbaum’ ebenso begeistern wie für
seinen Roman“, glaubt Verlegerin Verena Zech.
„Unter dem
Drachenbaum“ ist eine Sammlung von Sagen und Legenden, die Horst Uden,
geboren 1898 in Brieg/Schlesien, gestorben 1973 in Málaga/Spanien, in den
1930-er Jahren auf sämtlichen Kanaren-Inseln aufgezeichnet
hat. Uden schildert Märchen und Mythen, Piratenabenteuer, Liebesgeschichten,
Volksweisheiten und Anekdoten.
„Das muss
man sich bildlich vorstellen“, rekonstruiert die Verlegerin die Lebens- und
Schaffensgeschichte ihres Autors, „der Weltreisende Horst Uden besuchte in
den 30-er Jahren die Kanaren zu Fuß oder per Esel. Er engagierte
Reiseführer, die ihn und seine Frau Charlotte über die Insel führten und die
ihnen Geschichten aus Erster Hand erzählten, zumal Uden, schon damals
ansässig in Málaga, perfekt Spanisch sprach. Uden war ein genialer
Beobachter und Erzähler. Das Schöne ist, dass er seine Quellen nicht nur
offen legt, sondern in den Erzählprozess unmittelbar einbezieht. Damit
gewinnt er an Authentizität und an Glaubwürdigkeit.“
Als
Beispiel soll folgender Auszug dienen: eine Szene auf Fuerteventura, in der
Horst und Charlotte einen Esel mieten wollen, sie aber von einem
konkurrierenden Kamel-Anbieter beschwatzt werden, der am Ende das Geschäft
macht:
>>(Auszug
aus dem Buch, S. 159ff)
KRAWALL IN
LA ANTIGUA
Ein Segler
hatte uns nach Puerto de Cabras gebracht. Da standen wir nun am
morgendlichen Hafen, meine Frau und ich, und überlegten, wie wir am besten
nach La Antigua kämen, das auf langgestreckter Hochebene inmitten der Insel
Fuerteventura liegt.
»Natürlich
reiten«, meinte Lotte, »ein paar Maultiere werden wir bald auftreiben.«
Da kam auch
schon ein Mann auf einem kleinen, silbergrauen Eselchen herangesprengt. Kurz
vor uns ließ er sich herabgleiten, zog grüßend den breitrandigen Sombrero
und bot seine Dienste an.
Während
Lotte den Esel kraulte, und ich mich mit seinem Besitzer über den Weg, die
Sehenswürdigkeiten und nicht zuletzt den Preis unterhielt, bog um die Ecke
ein braungebrannter Majorate, wie man die Bewohner dieses Teils der Insel
nennt. Hinter sich her zog er an verrosteter Kette ein hochbeiniges Kamel,
das ihm willig folgte.
Neben dem
Eseltreiber hielt er an und hörte eine Weile schweigend unserem Gespräch zu.
Dann schüttelte er mißbilligend den Kopf über den Unverstand des »Misters«,
der drauf und dran war, einen Esel zu mieten.
»Euer
Gnaden scheint noch nicht lange in diesem Lande zu sein«, meinte er mit
leichtem Bedauern in der Stimme, »und daher den Unterschied zwischen einem
Esel und einem Kamel nicht zu kennen. Und doch springt er sozusagen in die
Augen. Ein Blick auf meine treue Mifalla genügt, um die letzten Bedenken zu
verscheuchen. Es ist das beste Kamel, das es im ganzen Umkreis gibt, und das
einzige, das einen englischen Reitsattel hat. Auf der linken Seite sitzt
Euer Gnaden, auf der rechten die ›Señorita‹. Ich selbst schwinge mich
zwischen die Höcker. Und hier, der eiserne Ring ist zum Festhalten, wenn das
Tierchen aufsteht und zu schaukeln beginnt. Es läuft, ganz wie Euer Gnaden
es wünscht. Ich brauche ihm nur tüchtig eins mit dem Knüppel überzuziehen,
und schon fegt es dahin wie der Sturmwind, wenn der Boden trocken ist. Ist
er aber naß, dann rutscht es aus und schlägt hin. Rufe ich: ›reee, reee!‹,
dann geht es im Schritt. Schreie ich aber: ›tuche!‹, dann kniet es nieder
und wirft sich hin. Sobald Euer Gnaden im Sattel sitzt, erhebt es sich unter
freudigem Brüllen, und die Reise kann beginnen. Dabei ist es so stark wie
Samson, auch wenn es kleine Mäuseohren hat.
Was ist
dagegen so ein jämmerlicher Esel!« fuhr er fort und deutete mitleidig auf
das Grautier. »Erstens braucht Euer Gnaden drei, zweitens schleift der
Reiter seine Füße auf dem Boden und stößt sich an den spitzen Feldsteinen.
Dazu kommt das ewige Schreien des Treibers, denn ohne Schreien und Schläge
läuft er nicht. Auch muß man ihm dauernd mit dem spitzen Stecken in den
Hintern stoßen, sonst bleibt er stehen. Vergißt Euer Gnaden aber, die Beine
zu bewegen und ihn mit den Hacken am Bauch zu kitzeln, geht er keinen
Schritt mehr weiter.«
Der
Majorate hatte mich überzeugt. Wir mieteten das Kamel . . .“
<< (Ende
Textauszug)
So
begleiten wir also Horst Uden auf seiner Kanaren-Reise in den 30-er Jahren,
lange bevor überhaupt jemand das Phänomen „Massentourismus“ in den Mund
nahm. Das Buch bietet nicht nur eine virtuelle Reise über die Inseln,
sondern auch eine Zeitreise durch die Jahrzehnte, nein, Jahrhunderte.
Uden
erzählt jeweils drei Geschichten von allen sieben Inseln, von Teneriffa
sechs, außerdem „die Ursage“, angelehnt an die griechische Mythologie, und
die Legende von der geheimnisvollen „verschwundenen“ Insel San Borondón.
Insgesamt
26 meisterhaft erzählte Geschichten, kanarische Sagen und Legenden, für nur
14,50 Euro (Taschenbuch mit Umschlagklappen, ISBN 978-84-933108-2-0).
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