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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Der König von Taoro - Historischer Roman

 

 

Teneriffa-Karte:
Ortsnamen erinnern noch heute an die Zeit der spanischen Eroberung.

BESTSELLER
Als der spanische Eroberung Alonso Fernández de Lugo im Mai 1494 auf Teneriffa landet, stößt er ein hölzernes Kreuz in die Erde und gründet hier die Stadt Santa Cruz de Tenerife. Er ist von den Katholischen Königen beauftragt, "die Inseln La Palma und Teneriffa, die sich in Händen kanarischer Heiden befinden, zu erobern und ... Uns zu unterwerfen." Der König von Taoro ist Mencey Bencomo, Fürst von La Orotava, der mutig gegen die Eindringlinge kämpft. Sieg und Niederlage wechseln sich in La Matanza und La Victoria ab. Doch die Guanchen können gegen die spanische Übermacht nicht gewinnen...

 

Lassen Sie sich verführen zu einer Zeitreise ins 15. Jahrhundert, tauchen Sie ein in die Welt der Guanchen und der spanischen Konquistadoren – Sie werden Teneriffa danach mit anderen Augen sehen.

 

„Ein Werk, an dem niemand achtlos vorbei geht." (Don Francisco P. Montes de Oca (+), Historiker des kanarischen Archipels)

 

Horst Uden: Der König von Taoro - Historischer Roman der Eroberung Teneriffas, Zech Verlag, Teneriffa 2003, ISBN 978-84-933108-4-4, Verkaufspreis auf den Kanaren (steuerfrei) 14,50 Euro, unverb. Preisempfehlung für Deutschland und Österreich 18,25 Euro.

 

Leseprobe aus: "Der König von Taoro"

 

I.
DIE GLÜCKLICHE INSEL

Die Guanchen

 

In den unzugänglichen Höhlen des Tigaiga lebten die tapfersten Krieger der Guanchen. Ihre Hauptwaffe war der mit der Hand geschleuderte, unfehlbare Stein, die Streitaxt und die spitze, eisenharte Lanze aus Tea-Holz. Im Gürtel ihres Tamarco, eines Fellhemdes, steckte die scharf geschliffene Tabona, das Steinmesser aus Obsidian, das sie geschickt zu handhaben wußten. Mit furchtbarem Kriegsgeschrei warfen sie sich aus dem Hinterhalt auf den Gegner, rollten mächtige Felsblöcke auf ihn herab und waren unvergleichlich im Nahkampf. Wer keinen Schild aus der Rinde des Drachenbaums besaß, wickelte sich den Tamarco fest um den linken Arm und kämpfte nackt, nur mit einem Lendenschurz bekleidet.

So unversöhnlich die Guanchen dem widerstehenden Feinde entgegentraten, so edel waren sie gegen den unterlegenen. Gefangene wurden von ihren Wunden geheilt, ausgetauscht und oft noch mit Geschenken entlassen.

Wilde Tiere gab es auf ihrer glücklichen Insel nicht, nicht einmal die kleinste Giftschlange. Der einzige, den sie fürchteten, war Guayote, der Dämon, der im feuerspeienden Echeyde wohnte (Echeyde, Hölle, oder Teide: der Pico de Tenerife).

Wenn er zürnte, schleuderte er glühende Felsen aus dem Bauche des Riesen, ein breiter Feuerstrom ergoß sich aus seinem weitgeöffneten Maul. Alles riß er nieder, was sich ihm in den Weg stellte. Sengend fuhr er über die fruchtbaren Felder. Aus seinen Nüstern blies er dunkle, giftige Schwaden in den stahlblauen Tigot, den Himmel, die strahlende Magec, die Sonne, verdunkelte sich, das Meer schäumte auf und donnerte über die Klippen bis tief in den Wald hinein, knickte Bäume wie dürre Äste und zerspellte sie, zurückflutend, an den Felsen.

Dann flohen die Guanchen in ihre Höhlen, hockten ängstlich zusammengekauert zwischen den Schafen, Ziegen und Hunden, die sich eng aneinanderdrängten, horchten erschauernd auf das höllische Grauen und flehten zu Acoran, zu Gott, um Hilfe und Rettung. (S. 12f)

 

 

Der Feind

 

Gründonnerstag des Jahres 1493. Ein wolkenloser Himmel wölbt sich über El Real de las Palmas, der Hauptstadt von Gran Canaria. Vor der mit Girlanden geschmückten Kapelle drängt sich das Volk seit dem frühen Morgen in Erwartung der größten aller Prozessionen der Semana Santa, der heiligen Osterwoche.

Ein Glockenschlag ertönt, ein zweiter, ein dritter . . . Die breiten Torflügel springen auf und getragen von zwanzig Männern schwankt der „Paso“, die große Lade, auf der der Erlöser unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen ist, die wenigen Stufen herab. Ehrerbietig sinken die Gläubigen auf die Knie und beten, während dumpfer Trommelwirbel ertönt.

Dicht hinter der Lade schreitet der Kanonikus Samarinas unter prunkvoll gesticktem Baldachin, das Haupt tief über das Brevier geneigt. Ihm folgt der Alcaide, der Burgvogt von Agaete, Don Alonso Fernández de Lugo. Stolz blickt er über die Menge, die ihn ehrerbietig grüßt, ihn, den Eroberer von La Palma und Günstling der Katholischen Könige. An seiner linken Seite gehen die unzertrennlichen Freunde Gonzalo García de Castillo und Fernando de Trujillo, seine Hauptleute, rechts der ehemalige Fürst der Insel, Guanarteme Tenesor Semidan, der sich der spanischen Krone unterwarf, das Christentum annahm und in der Taufe von seinem königlichen Paten den Namen Fernando de Guanarteme erhielt.

Ihnen schließt sich ein langer Zug in purpurrote Gewänder gehüllter, vermummter Gestalten an. Es sind die Mitglieder der Santa Hermandad, der heiligen Bruderschaft. Ihre spitze, meterhohe, steife Kapuze starrt senkrecht in die Luft. (S. 42f)

 

Auf dem breiten Wall der Festung von Agaete stand, Don Alonso Fernández de Lugo und blickte übers Meer. Drüben lag Tenerife, dessen schneeiger Pik hoch über die Insel emporragte. Eine leichte Rauchwolke entstieg dem Krater, die der sanfte Passat nach Südwesten entführte.

Tenerife . . . Seit man ihn zum Alcaiden von Agaete gemacht hatte, ließ ihn diese Insel, die er täglich vor Augen sah, nicht mehr schlafen. In seinen Adern rollte das kriegerische, abenteuersuchende Blut der Konquistadoren. Schon hatte er La Palma unterworfen, doch Tenerife trotzte noch den kastilischen Waffen. Seinem Vaterland, dessen Macht von Jahr zu Jahr wuchs, wollte er ein neues Ruhmesblatt in der Geschichte der Völker hinzufügen. Spanien hatte mit der Eroberung von Granada den siebenhundertjährigen Krieg gegen die Sarazenen beendet und die Ungläubigen von der Halbinsel vertrieben. Schon standen seine siegreichen Heere in Nordafrika. Bald würden ihm Frankreich, Belgien, die Niederlande, Italien untertan sein. Streckte es nicht bereits seinen mächtigen Arm über das Weltmeer aus?

Hatte er nicht selbst vor wenigen Monaten dem kleinen, dicken, lebendigen Genuesen mit den fanatischen Augen, den sie Kolumbus nannten, die Hand geschüttelt, als seine Galeonen den Hafen von Las Palmas anliefen, wo er Proviant und Wasser nahm, das zerbrochene Ruder der „Pinta“ auswechselte und das lateinische Segel der „Niña“ durch ein rundes ersetzte? So wie heute der Name dieses Mannes in aller Mund war, so würde man bald von ihm, Alonso de Lugo, sprechen. Der erste Schritt dazu war bereits getan.

Aus der Tasche seines Lederwamses zog er ein sorgsam gefaltetes Pergament, das er immer bei sich trug, küßte das königliche Siegel und las es zum hundertsten Male. Da stand klar und deutlich mit verschnörkelten Buchstaben:

„Wir, Don Fernando und Doña Isabel, von Gottes Gnaden König und Königin von Kastilien und Leon, Toledo, Cecilla, Portugal, Galizien, Sevilla, Cordoba, Murcia, Jaen, Algeciras, Gibraltar, Fürsten von Aragon, Vizcaya und Molina befehlen Euch Alonso Fernández de Lugo, die Inseln La Palma und Tenerife, die sich in Händen kanarischer Heiden befinden, zu erobern und Uns zu Gottes und Unserer Ehre zu unterwerfen. Deshalb ist es Unser Wunsch und Wille, Euch zu unterstützen, weshalb wir Euch aus der Königlichen Schatulle siebenhunderttausend Maravedis zubilligen. Gleichzeitig ernennen wir Euch zu Unserem General-Kapitän und geben Euch zu eigen alles Vieh, Land und Wasser, das Ihr nach Gutdünken verteilen könnt, sowie alle Steuereinnahmen, die Ihr daraus erzielt. Gegeben zu Valladolid am dreizehnten Tage des Julimonds im Jahre eintausendvierhundertzweiundneunzig unseres Herrn Jesu Christi.

Ich, Fernando, der König. Ich, Isabel, die Königin.

Ich, Ferrand Aluares, Rodericus doctor secretarius.“

 

Siebenhunderttausend Maravedis! Ein verächtliches Lächeln spielte um den Mund des General-Kapitäns. Freigebig waren die Katholischen Könige nie gewesen. Dem Genovesen hatten sie auch nichts mitgegeben als die drei Galeonen, ein paar Abenteurer und Sträflinge, die so dem Galgen entgingen. Darauf kam es ihm aber nicht an. Er selbst hatte Geld und außerdem war er dabei, alles zu veräußern, was ihm gehörte: seine Ländereien in Agaete, seine Besitzungen auf der Halbinsel, sein väterliches Haus in Carmona. Nein, an Geld würde es ihm nicht fehlen. (S. 44f)

 

(Horst Uden)

 

 

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