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Última revisión: 05 de febrero de 2008





 

Autorenlesung

Harald Braem informierte über die Kultur der Altkanarier

Ein Botschafter der Guanchen

Las Palmas de Gran Canaria – Ein interessiertes Publikum hatte sich am 28. Dezember 2005 im evangelischen Gemeindezentrum von Las Palmas eingefunden, um einen Diavortrag des bekannten Guanchenforschers und Schriftstellers Prof. Harald Braem zu verfolgen.

Von Pfarrer Eberhard Schalinski und Kirchenvorstand Siegfried Rückert herzlich begrüßt, forderte Harald Braem ("Tanausú - König der Guanchen", Zech Verlag) seine etwa drei Dutzend Zuhörer auf, ihn bei Fragen ohne Scheu zu unterbrechen. Fragen wurden so also gleich zu Beginn zahlreich gestellt. Sie offenbarten einerseits das starke Interesse, sich mit der Kultur der Ureinwohner auseinanderzusetzen, andererseits aber auch das Bedürfnis, über strittige Themen der Guanchenforschung von einem Kenner ins Bild gesetzt zu werden.

Prof. Harald Braem, der aufgrund seiner eigenen Arbeit und seines Zusammenwirkens mit dem „Institutum Canarium“ und dem Experimentalarchäologen Thor Heyerdal als Koryphäe auf dem Gebiet der Guanchenforschung gilt, spannte den Bogen seines Vortrags von den verschiedenen Besiedlungstheorien über das Weltbild und Brauchtum der Altkanarier bis hin zu ihren Nachfahren, die, in der Franco-Ära unterdrückt, heute noch einen Großteil der Bevölkerung stellen. Dies, so Braem, hätten DNA-Untersuchungen auf Gran Canaria, La Palma und El Hierro gezeigt.

Prof. Harald Braem legte überzeugend dar, dass die Kanarischen Inseln ab dem 3. Jahrtausend vor Christus von Alteuropäern besiedelt worden sein müssen. Beweise dafür habe er in der Übereinstimmung von Felsbildern auf La Palma, im spanischen Ponte Vedra, in der Bretagne und Irland gefunden. Die Urbesiedler der östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura seien von den Balearen gekommen, so Braem unter Bezug auf Sprach- und DNA-Analysen.

Braem, der sich selbst als Botschafter der Guanchen bezeichnet, räumte mit mancherlei Vorurteil gegenüber den Altkanariern auf, beispielsweise dem, sie seien der Seefahrt nicht kundig gewesen. Er wies auf Forschungsergebnisse hin, die einen regen Schiffsverkehr zwischen den Inseln mit – nicht immer friedlichem – Austausch, Handelsbeziehungen und Eheschließungen nachweisen.

An Hand zahlreicher Dias erläuterte Braem die hoch stehende Kultur der Guanchen: Obwohl sie zum Zeitpunkt der Eroberung durch die Spanier äußerlich zwar noch auf Steinzeitniveau lebten, besaßen sie ein hoch entwickeltes dualistisches Weltbild mit klaren Rechtsvorschriften und tiefer ethischer Fundierung. Sie erkannten als Grundlage allen Wirkens ein männliches und ein weibliches Prinzip an, deren Zusammengehen das Gute erschuf. Folgerichtig waren Männer und Frauen gleichberechtigt; Frauen saßen im Rat und kämpften als Kriegerinnen, als weise „Harimaguadas“ bewachten sie die Getreidevorräte.

Blutopfer waren den Guanchen unbekannt, sie gossen an ihren Heiligtümern Milch in die Opferrinnen und -mulden. Die Guanchen bestatteten ihre Toten, indem sie älteste ägyptische Mumifizierungstechnik anwandten, sie bauten astronomisch nach den Sonnenwenden ausgerichtete Stufenpyramiden für Festlichkeiten und Krönungszeremonien ihrer „Menceyes“ und führten mit Obsidianwerkzeug komplizierte Schädelbohrungen aus (Trepanation), um Krankheiten zu heilen. Mit Harald Braem könnte man sagen, die Guanchen praktizierten High-Tech auf der Höhe ihrer Zeit.

So gab es denn herzlichen Applaus für Harald Braem am Ende des zweistündigen Vortrags, bei dem niemandem die Zeit lang geworden war. Einige Interessierte blieben selbst danach noch, um weitere Fragen mit Harald Braem zu erörtern.   / Sylvia Hess

 

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